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Published on August 19th, 2014 | by Thomas Jung

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Die Zukunft von Google Glass






Thomas Jung
Ein winziger Brillenaufsatz, der die digitale Welt mitten in die unmittelbare Umgebung bringt. Wenn jemand vor ein prächtiges Gebäude tritt, weiß er sofort, wann es erbaut wurde. Wenn Regen droht, wird er prompt erinnert, den Schirm mitzunehmen. Und falls auf dem Weg zu einem Event sich mal die Straßenbahn verspätet, wird er bequem zur nächsten Bushaltestelle umgeleitet. Nicht zu sprechen davon, dass die intelligente Brille Tickets selbstverständlich mit nur ein paar Sprachkommandos bestellen kann. Was ein wenig wie Fantasien über Kybermenschen aus den 1990-ern klingt, ist die durchaus reale Vision hinter Google Glass. Die Datenbrille soll die Welt von Smartphones und Tablets nicht bloß bereichern, sie soll diese komplett ablösen und zwar durch eine viel weiter reichende Kontextsensitivität und Zugänglichkeit. Es lohnt sich aber genauer hinzuschauen, wie nah Google heute an dieser Vision ist.

Google Glass 2

Noch bis Ende 2014 soll Google Glass marktreif sein. Über 10.000 Testexemplare befinden sich heute schon im Umlauf. Ende 2013 wurde eine aufgefrischte Version der High-Tech Brille vorgestellt, die nun mit einem integrierten In-Ear-Kopfhörer glänzt und sich vor allem endlich auch für Brillennutzer eignet. Der eigentliche Brillenaufsatz lässt sich leicht an den meisten gängigen Brillenrahmen befestigen. Das Resultat büßt dabei allerdings deutlich an Eleganz ein, damit wird aber eine integrale Forderung der Community erfüllt. Schon bald werden also nicht nur Beta-Tester, sondern auch Endnutzer in den Genuss von kontextuellen Informationen, dem Surfen mit einfachen Wordkommandos und von Videoaufnahmen mit einem Fingerdruck auf den Brillenrahmen kommen.

© Ted Eytan - flickr.com

Die Brille bleibt hinter den Erwartungen zurück

Doch es mehren sich auch skeptische Stimmen, die darauf hinweisen, dass Google Glass den Visionen seiner Schöpfer weit hinterherhinkt:

• Vor allem die kontextsensitiven Funktionen sind noch von den gleichen Mängeln geplagt, wie die funktionsidentischen Apps für Smartphones Google Now oder Apple Siri. Wo eigentlich ein ständig selbstlernender Algorithmus für tatsächlich der Situation angepasste Hinweise und Tipps sorgen sollte, findet der Nutzer heute lediglich weitgehend statische, vorgefertigte Inhalte, die erst manuell mit entsprechenden Kommandos aufgerufen werden müssen.
• Auch beim Gegenüber erweckt die Datenbrille, wie an vielen Stellen von Testern berichtet, eher Unbehagen. Gesprächspartner befürchten, in jedem Moment vom Brillenträger aufgenommen werden zu können.
• Diese Datenschutzbedenken wiegen durchaus schwer. So fordern europäische Datenschützer rechtliche Beschränkungen.

Wenn Google Glass trotz dieser Proteste noch in diesem Jahr erscheint, wird die Datenbrille daher sicherlich (noch) keine Revolution auslösen.


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